Stechen
Guten Morgen zum Stechen
Es hat 16°, als wir um kurz nach 5 ins Gelände fahren, fühlt sich aber dort angekommen wesentlich frischer an. Am Hotel hatten wir unerwartet viel Luftbewegung oder Wind, hier auf dem Feld ist es jetzt allerdings sehr ruhig. Vor dem Dorf ein bisschen Bodennebel, aber sehr, sehr niedrig und sehr, sehr lokal begrenzt. Die Sicht ist insgesamt gut.
Micha und Micha haben sich aufgeteilt, Michael Jäckel ist bei Andreas, Micha Seifert bei Bernhard. Rückholer sind Ron und Stefan mit den Rädern. Paul und Daniela machen Zeitnehmer. Paul hat den jungen Serben Bojan zu stoppen und Daniela einen Piloten aus Bosnien-Herzegowina.
Ich bin bei Andreas an der Startstelle. Auch Stanislav ist hier zum helfen, Angelika natürlich sowieso. Noch 4 Minuten Arbeitszeit und Andreas fängt an aufzuziehen.Yes Nyhegn ist schon raus neben uns.
Bernhard ist gestartet, sehe ich, guter Start.
Noch 2 Minuten. Andi macht die Flächen drauf, prüft noch einmal das Leitwerke nach, dreht zweimal nach, und jetzt noch mehr, ich wünschte, er würde damit aufhören 😅 und startet in den letzten 40 Sekunden. Micha natürlich mit Glas dabei, Stanislav auch. 38 Sekunden Motorlauf. Andreas fliegt sehr ruhig. Eine große Platzrunde, hat noch eine gute Höhe zu den anderen, die man so sieht, ist natürlich aber auch später als sie gestartet.
Das Modell fliegt eine ruhige Platzrunde nach der anderen, die anderen allerdings auch, und ich habe keine Einschätzung, nur dass Andreas einen sehr guten und solide Flug hingelegt hat.
Michael Jäckel drückt ab bei 5:31, die Zeitnehmer bestätigen
Jens kommt gerade zu uns an die Startstelle und sagt, Bernhard 5:34
Bojan 5:46
Der BH, den Daniela gestoppt hat, hat 4:24.
Paul Seren ergänzt: Die Wedeltruppe – Die heimlichen Kilometerfresser am Boden
Während sich die Piloten heute mit ihren Modellen in die Luft kämpften, begann für die Wedeltruppe der Arbeitstag bereits lange vor dem ersten erfolgreichen Flug. Schon früh standen wir im Feld – und rückblickend war das auch gut so.
Spätestens mit der dritten Runde wurde klar, dass an diesem Tag die üblichen Thermikregeln nur noch sehr eingeschränkt galten. Die erfahrenen Thermikmaschinen lieferten kaum noch eindeutige Hinweise. Alle warteten geduldig auf den richtigen Moment. Der erste Start ließ sich im 3. Durchgang entsprechend Zeit und benötigte fast die komplette halbe Stunde des Durchgangs. Selbst dann musste noch kräftig gewedelt werden – die Luft war einfach nicht bereit, freiwillig mitzuarbeiten.
Dieses Bild zog sich durch den gesamten Wettbewerb. Während die Piloten noch auf das Start-Kommando vom Mannschaftsführer Michael und seinem Thermik- Beraterteam warteten, hatte sich die Wedelmannschaft längst auf wechselnde Windrichtungen eingestellt und immer wieder umgestellt. Eigentlich mussten wir gar nicht mehr auf den Ruf „Wedeln!“ warten – da waren wir bereits dabei, die Luft mit vereinten Kräften und einer ordentlichen Portion Optimismus anzureichern.
Als wäre das nicht genug gewesen, kamen völlig unerwartete Zusatzaufgaben hinzu. Ein Modell musste gesucht werden, dessen GPS ausgefallen beziehungsweise gar nicht eingeschaltet war. Die Flugrichtung war nur ungefähr bekannt, das Gelände unwegsam und die Erfolgsaussichten eher überschaubar. Also rückte ein Teil der Wedeltruppe kurzerhand gemeinsam mit dem eingeteilten jugendlichen Rückholer Adrian zur Suchaktion aus.
Ein besonderes Lob verdient dabei Stefan. Nachdem wir die Suche mit drei Leuten bereits erfolglos abgebrochen hatten, entdeckte er auf dem Rückweg mit seinen sprichwörtlichen Adleraugen tatsächlich das Modell von Bernhard und konnte es wenig später stolz zurückbringen. Ein echter Glücksmoment!
Fast nebenbei fand Stefan außerdem noch den verloren gegangenen RDT-Sender von Stanislav, der bereits in der zweiten Runde irgendwo im hohen Gras verschwunden war. Offenbar gehört zur Wedelausrüstung inzwischen nicht nur Muskelkraft, sondern auch ein ausgeprägter Spürsinn.
Ab der vierten und fünften Runde war an Pausen ohnehin nicht mehr zu denken. Die letzten Starter kamen häufig erst in den letzten Minuten eines Durchgangs in die Luft – nach Strangrissen, technischen Problemen oder kurzfristigen Änderungen am Startablauf. Die zehn Minuten zwischen den Runden reichten gerade aus, um einen Schluck zu trinken, einmal tief durchzuatmen und sich sofort wieder in Wedelposition zu begeben.
Umso größer war die Freude, als im 7. Durchgang schließlich alle Piloten das Maximum erreichten. Andreas und Bernhard qualifizierten sich damit für das Fly-off. Und Lara zeigte nach einem etwas holprigen ersten Durchgang mit lediglich zwölf Sekunden Verlust eine beeindruckende Aufholjagd. Sie flog anschließend souverän durch den gesamten Wettbewerb -trotz Zeitknappheit am Ende eines Durchgangs und krönte ihre Leistung mit dem Titel der Europameisterin.
Auch wir von der Wedeltruppe freuen uns riesig über diesen Erfolg. Natürlich gilt der Dank den Piloten, den Thermikfindern – und ganz besonders unseren zuverlässigsten Thermikanzeigern überhaupt: den Störchen. Sie zeigen uns seit Generationen, wo die Luft steigt. Eigentlich sind sie bis heute die besten Thermikexperten der Luftfahrt. Schließlich haben Menschen das Kreisen in der Thermik nicht erfunden – sie haben es sich vor über 130 Jahren ganz einfach von den Störchen abgeschaut. 🙂 Sie können es einfach besser als wir, obwohl ihre Flächenbelastung deutlich über der unserer Modelle liegt und sie sehr zielgenau den Ort, den Durchmesser und die Steiggeschwindigkeit anzeigen …….
Und: noch ein Nachtrag: Beide haben jeweils die Teamwertung gerettet, bzw. überhaupt ermöglicht. Damals Daniela 2024 in F1A und diesmal Lara (!) 2026 in F1B ! Genau wie bei der WM 2023 Lara in F1B und Daniela in F1A. Ist das nicht einfach toll?!
Also: Frauen-Optmierte Ergebnisse führen zum „Mann“-schaftserfolg!!!!
Heute berichtet Wibke (natürlich nicht Nick, wie es dran stand):
Fly Off morgen 6 Uhr über 10 Minuten
7. Durchgang
Siebter Durchgang.
Bernhards Modell ist wieder da. Andreas steht an der Startstelle.
Keiner startet, der Respekt vor dem Wetter ist riesig mittlerweile.
Kulakowski geht hoch, doch da kommen wir nicht hin. Eine ganze Reihe geht hinterher. Oleg ist gut, die anderen haben zu lange gewartet, obwohl es alle bis auf einen jetzt dann auch mitnimmt.
Das ganze Feld wartet. Den Maschinen nach hätte man längst gehen können, auch dem Gefühl nach, wenn die Ablösung zu spüren ist, aber alle warten. Das war meines Erachtens durchaus schon zweimal da. Aber kein Mensch geht, keiner will der Hase sein. Ganz am unteren Ende der Startlinie geht, aber keiner geht hinterher.
Wieder geht jemand hoch, wieder geht auch ein bisschen Wind, weder geht keiner hinterher.
Andreas geht. Bisschen flach, aber dadurch geht er Richtung Thermik. Einige gehen hinterher. Dick ist es noch nicht, aber müsste gehen.
Das Modell kreist unruhig und eng in sehr guter Höhe, aber das haben wir heute schon mehrfach gesehen. Hier ist keiner Luft zu trauen, keiner! Aber Andreas hat Maximum.
27 Minuten haben wir gebraucht für den ersten Starter, Bernhard zieht auf.
Auch mit Bernhard müssen wir lange warten. Nur noch 30 Minuten bleiben, 35 also schon gelaufen. Jeder Durchgang geht 1 Stunde fünf, danach 10 Minuten
Lara hat ihren Bock in guten 10 m Entfernung aufgebaut, oder 20. So kann sie sich direkt vorbereiten, sobald Bernhard sicher in der Luft ist.
Es heizt. Und es sind nur noch 23 Minuten. Und es muss eine Entscheidung her, sagt man an der Startstelle.
Bernhard geht.
Der Kraftflug ist nicht sein stärkster heute, das Modell hat aber anfänglich gute Höhe, verliert die aber weiter hinten im Feld. Die Wedler sind drunter, aber es sieht nicht gut aus.
Das übliche Flugbild zwischen gigantischer Höhe und Schlägen in den Magen. Wir zittern bis zum Schluss, aber Bernhard hat einen Max, ist im Stechen, genau wie Andreas.
Lara steht am Start, noch 17 Minuten
Lara geht wieder mit den Störchen, muss jetzt aber rumkommen. Ist sehr schnell nicht mehr bei den Störchen, hat immer noch keinen vollen Kreis geflogen. Steigt aber .
Max.
Die erste Gerüchte mit Auswertungen. Als Topexperte gilt Volker in Deutschland, nach dem Motto: Volker verrechnet sich nie!
Wir hier an der Stadtstelle im heißen Prilep wollen lieber abwarten und auf Stanislaw warten, der jetzt in den letzten 7 Minuten noch starten muss. Angemeldet ist er schon, jetzt zieht er auf.
2 Minuten. Stanislav hatte noch einen Strammriss. Ist jetzt an der Startestelle, wirft in den letzten Sekunden, kein guter Start, natürlich nicht, viel zu viel Wind, dicke Böen, aber der Flieger beruhigt sich.
Tolle Höhe jetzt, die man bei dem Start nicht mehr unbedingt erwartet hätte. Aber das Modell hat das, was an Luft da war, optimal mitgenommen, kann endlich in Ruhe seine Thermik fliegen, ohne eins auf den Deckel zu kriegen wie bei den vorherigen Flügen. Ein Max ein riesiger Höhe.
Stan hat ausgelesen den einen Flug aus dem 6. Durchgang, glaube ich: von 189,5m, also von starkem Steigen nach Ende des Motorlaufs, runter auf eine Höhe von 20m in weniger als einer Minute. . . Das ist wie bremsen.
6. Durchgang
Sechster Durchgang, Andreas an der Startstelle. Er und Bernhard haben noch alles voll.
Bernhards Flieger ist von der letzten Runde noch nicht wieder da. Einer geht. Sieht auch nicht gut aus. Der Rumäne geht hinterher. Der sieht schon besser aus. Beide Modelle landen aber lange vor der Bremse, direkt an der Stadtstelle.
Ich höre jetzt von der Auslesung von Stanislav Modell. Es ist von 130 m Höhe runtergefallen, wie vor eine Wand geflogen, das Priliper Frankie-Syndrom.
Andreas geht nach 15 Minuten Warten der sechsten Runde. 15 Minuten, in denen nichts passiert war außer Hitze, aber jetzt ist eine Ablösung da und das Modell scheint sie gut mitzunehmen. Es hängt allerdings leicht nach links, auch im Kraftflug, scheint mit laufender Latte nicht unbedingt Höhe zu gewinnen, eher zu verlieren. Bis es endlich rumkommt und die Thermik mitnimmt. Die Wedler wedeln ein paar Momente, und das hilft, aber mittlerweile hängt der Flieger richtig drin.
Bernhard dreht auf, Lara sitzt bereit im Zelt.
Bernhard hat einen Strangriss, und der Druck steigt. Kleines Missverständnis, wer jetzt wann geht. Lara ist es schliesslich. Sie zieht blitzschnell auf.
Lara startet, startet auch gut, guter Kraftflug, gute Höhe.
Lara schon anderthalb Minuten, aber ganz sicher scheint das Ding noch nicht. Die Kurve riesig groß, aber schliesslich stabil, und es wird dann doch ein voller.
Bernhard als nächster.
Minute 38 und eine Riesen Windhose zieht durchs Stadtfeld. Alle halten Zelte und Flieger fest, auch die Deutschen und die Helfer.
Bernhard geht, nachdem wir wieder lange warten mussten. Er hat ein anderes Modell jetzt. Der Kraftflug ist okay, aber Micha Jäckel meint, ein bisschen lümmelig, der Gummi. Und mein Micha fragt, oder ist da gar kein Gummi drin? Tatsache ist, sie sind erleichtert, dass es ein guter Start war. Jetzt kreist der Flieger allerdings nicht ein, ist ewig weit ins Gelände geflogen. Über 2 Minuten jetzt, aberaus meiner Sicht auch sicher, allerdings habe ich das schon bei anderen Flügen hier gesagt, und die waren dann alles andere als sicher.
Trotzdem: ein Max für Bernhard.
Stanislav an der Startestelle.
Die Serbin neben uns geht zuerst. Stanislav auch mit einem fast senkrechten Abwurf. Super Start.
Als das Modell in guter und sicherer Höhe in der Thermik hängt, kommen die Wedler zur Startstelle, wir alle entspannen uns, bis jemand laut aufruft, denn plötzlich ist die Serbin, die vorgegangen war, nur noch auf 20 m Höhe. Wir können es nicht glauben und sehen dann, wie vor unseren Augen das gleiche mit Stanislavs Modell passiert: Von sicherlich 150 oder 160 m Höhe fällt er runter auf 30. Schneidet ein, pumpt ein, zwei mal, das übliche Bild und liegt dann in Sekunden unten. Wenn man das nicht sieht, kann man es sich kaum vorstellen. Wie ein Elefant, der von oben den Fuß drauf packt.
Ich merke hier, dass mein Schreiben teilweise unübersichtlich wird, auch durcheinander wirkt. Dafür möchte ich mich entschuldigen, aber die spannende Lage heute gepaart mit den Wetterkonditionen ist wirklich schwierig. Mein Kopf wird matschig.
5. Durchgang
Fünfter Durchgang.
Stanislav ist an der Startstelle, weiterhin sehr drehende Winde, mit langen Momenten, wo es brütet und die Hitze sitzt, mit langen Momenten, wenn einfach nur Wind durchgeht, egal aus welcher Richtung. Sehr, sehr schwierig zu fliegen jetzt.
Das Feld geht, sehr gute Luft, Stanisław will hinterher, hat aber noch 2 oder 3 Handgriffe, um zur Startbereitschaft zu kommen, Blätter verstellen, Kühlmanschette ab et cetera. Mein Micha pusht, ihn zu eilen, da geht sein Motorlauf los. Startabbruch. Bernhard zieht auf. 12 Minuten vom Durchgang rum.
18 Minuten.
19 Minuten und Bernhard fazzt der Gummi im Rumpf, während er an der Stadtstelle wartet.
Andreas zieht auf.
Der Plan ist, dass danach Stanislav fliegt. Dann Bernhard, dann Lara. Zumindest habe ich es so gehört.
Andreas ist angemeldet, steht an der Startstelle. Die ganze Runde wird allmählich zur Zeitfrage.
Andreas verlässt die Startstelle wieder, geht zu seiner Box und wechsel die Fläche. Kommt jetzt wieder an die Stirnstelle. 28 Minuten vorbei, noch kein Starter in der Luft.
Jetzt Muss er gehen! Er ruft die Zeitnehmer und geht, kommt auch gut rum, einige gehen, viele. Ein Flieger hatte den Bart angerissen, ich weiß nicht mehr mehr. Ein voller. Der nächste bitte.
Gut ist, dass zumindest alle neben uns ähnliche Probleme haben, denn es gab noch nicht viele Starts in dieser Runde.
Etwas Verwirrung jetzt, wer als Nächstes geht. Nachricht ist aber jetzt, dass Lara geht. Das verstehe ich nicht ganz, denn Bernhard hat noch alles voll und soll warten. Lara zieht aber schon auf, fazzt den ersten Gummi, zieht sofort den zweiten auf.
Lara kommt an die Stadtstelle, und zur Krönung zieht auch noch eine leichte Winterhose durch den Startraum. Aber alles bleibt heil.
37min rum, erst ein Starter raus.
Can zeigt Lara an, nicht mehr nachzudrehen und sie tut es auch nicht. Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist ein weitere Strangriß.
Lara startet, der Flieger geht hoch, steigt, hängt sich auf, und wo wir vorher Glück gehabt haben, geht er jetzt in Rücklage, fällt hinten rüber und geht senkrecht in den Boden. Ist aber noch unter 20 Sekunden.
Bernhard zieht auf.
Kommt im Laufschritt zum Start
Wir haben noch drei Flüge in 19 Minuten zu machen.
André Seifert ist jetzt mit an der Startestelle. Es werden alle Streamer im Umkreis beobachtet.
Die Ablösung kommt. Bernhard macht einen sicheren Start, vielleicht flach, ganz egal, alles richtig.
Das reicht, das reicht, höre ich von der Startstelle, der hängt sich auf, das Ding sieht gut aus.
Stanislav macht sich derweil fertig.
Noch 13 Minuten, Stanislav steht an der Starstelle.
Lara wartet.
Rechts geht einer raus, eine Ablösung ist da, Stanislav soll gehen. Und geht! Meine Fresse, ist das spannend. Hängt gut drin, hängt oben dran, Motor läuft immer noch. Lara zieht schon auf
Jetzt verliert Stanislav in Sekunden zig Meter an Höhe, es ist kaum zu glauben 50 oder 70 m in vier oder 5 Sekunden. Hält sich jetzt auf 30 m Höhe, Pumpt ein bisschen, schneidet ein, nicht zu glauben. Packt jetzt wieder etwas an, geht 20 m höher, dies ist ein Moment für eine weitere Herzlpille. Steigt jetzt wieder, springt wie ein Pferd, um dann einzuschneiden und sxhliesslich zu Boden zu gehen.
Noch 5 Minuten.
Lara steht, noch 4min.
Die Litauer stehen auch. Und warten noch.
Letzte Minute
LaraGeht.
Start war okay, aber das Modell drückt sehr nach links, kommt nicht gut in die Thermik. Höhe Ist aber gut nach dem Kraftflug. Voll
4. Durchgang
Vierter Durchgang
Wir warten jetzt schon fast eine Viertelstunde. Der Wind dreht und kommt, wenn man die Fahnen betrachtet, aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Mal aus Süden, mal aus Westen, mal aus irgendwo dazwischen. Da hinten ist auch eine, die aus Osten zu kommen scheint.
Noch kein einziger Start in dieser Runde nach 15 Minuten.
19 Minuten und das Feld bewegt sich, auch Stanislav geht hoch, ist gut. Ist der höchste in einer Blase von einigen, die gegangen sind, und es kommt auch Wind nach. Trotzdem ist da ein riesiges Maß an Zittern und Hoffen, denn der letzte Durchgang war so tückisch. Aber jetzt nach guten anderthalb Minuten sieht er gut aus, sehr gut. Fliegt jetzt von uns weg, macht ein Pumper, aber nicht schlimm, eher thermikbedingt, ein sicherer Max am Ende.
Nach 29 Minuten Durchgang startet jetzt erst unser zweiter Flieger, Bernhard, guter Start, auch guter Moment, guter Steigflug, Kraftflug. Bernhard ruft, ja sauber, oder? Und noch keiner geht nach oder?“
Doch, jetzt gehen sie nach. Viele sogar. Ein schönere Bart kannst ja auch nett habe, meint Bernhard. Auch Per Finder läuft an die Startestelle und geht hinterher, der Serbe neben uns geht auch beziehungsweise seine Frau. Alle drei machen Modellflug jetzt, der Sohn angeblich berühmter DJ in Serbien, war schon Jugend- und Senioren Europameister, ist aber bekannter als DJ in seiner Heimat.
Auch Per Findahl ist raus.
Doch zählen unsere zwei Team Manager zählen auch die Modelle, die zu spät dem Bernhard hinterher sind. Einige fallen nämlich raus, direkt vor unserer Nase, hier in der Nähe der Startstelle. Auch das Modell der netten Serbin, Mutter des DJs. Ich kenne sie seit frühesten Jugendtagen. Auch sie hat es nicht mehr geschafft und sinkt wie mit Stein auf der Fläche.
Andreas steht an der Startstelle. Neben uns geht ein Finne, ein Hase, wie Micha sagt. Der dreht sich fast auf den Rücken, wird dann aber doch umgezogen, und Micha sagt, das muss Thermik sein! Andreas startet auch, auch mit etwas unkonventionellem Staat, sagt man, aber das Modell nimmt es voll mit und hängt sich in die Thermik, kein Wedeln notwendig.
Doch scheint das Modell bei anderthalb Minuten wieder raus zu sein aus der Thermik, und wir sind alles andere als beruhigt. Es pumpt auch ein bisschen, stellt sich auch mal ganz auf, wie ein Kreuz vor dem Wind, erst 2 Minuten jetzt. Kreist dann sehr eng auf dem rechten Ohr und schneidet unter. Stabilisiert sich wieder. Noch 40 und es richtet sich wieder auf, schneidet wieder unter. So eine verrückte Luft. Noch 25 und es steigt jetzt wieder. Nach zehn und es darf jetzt NICHT nnoch mal einschneiden, bitte schön.
Max!
Was wir jetzt brauchen, sagt Angelika, ist ein anderes Modell. Und ‘ne Herztablette, sagt Micha Jäckel.
Lara zieht auf.
Störche jetzt direkt über unserer Startestelle. Frage ist, ob sie segeln oder suchen, dann bis auf drei kreisen sie nicht. Jetzt zieht Wind nach, Lara macht sich bereit. Lara geht, obwohl die Störche schon etwas weg sind. Guter Start. Modell geht gut, man könnte wirklich sagen, den Störchen hinterher. Ja, es reiht sich ein, Frage ist bloß, ob das wirklich Thermik ist, denn einer von ihnen fliegt schon weg. . . Motorlauf und Blätter angelegt, die Wedler werden rausgeschickt. Hier an der Startstelle jetzt die Mega Ablösung mit viel Wind. Das Modell aber schon weiter hinten im Feld Richtung Süden und es hängt nicht dick drin, hat aber noch genug Höhe, den Max sicher voll zu machen.
An der Fressbude, wo ich mir gerade ein isotonisches Getränk zwischen den Runden hole, läuft Adriano Celentano, Sono Italiano, italiano vero . . .
3. Durchgang
Dritter Durchgang.
Wir sind jetzt auf Startstelle zwei, ganz am Anfang der Startlinie und auch ganz vorne von der Windrichtung her, keine Chancen zum Abstauben. Aber wir haben drei Thermikmaschinen an der Stahlstelle, vier sogar. Und Serbien und Kroatien neben uns.
Stanislav wartet, mit ihm das ganze Feld.
Dann ist der Wind endlich da und Stan wartet noch einen kleinen Moment, dann ein guter Start, aber nichts im Vergleich zum zum Beispiel ersten Durchgang, das sieht man sofort. Wir rufen die Wedler, auch Stan selbst fängt gleich an, aber das Modell verliert sofort und auch relativ krass an Höhe. Wir wedeln bis es eigentlich gar nicht mehr nötig ist. Bei 2 Minuten 30 liegt er unten.
Bernhard jetzt an der Startestelle, und die Stimmung ist bei uns natürlich gedämpft. Die Luft steht, das ganze Feld zögert, wartet.
Bernhard startet, sehr guter Start, guter Kraft Flug, die Luft scheint auch gut zu sein. Der Flieger ist genau drin, exakt zentriert, und der ganze Platz staubt ab, sechs Modelle zähle ich, die hinterher gehen. Sieben, acht, 42 Sekunden Motorlauf, sagt Micha.
Und noch mal sechs Flieger hinterher, und zwei Störche.
Sicherer Max, das Modell fällt in Zeitlupe trotz Bremse.
Neben uns der Kroate zerfetzt drei Gummis, bevor das Vierte endlich hält.
Andreas ist an der Startstelle, geht, und einige hinterher.
Guter Start meines Erachtens, auch gute Luft, ein dickes Ding, aus dem Andi allerdings dann rausfliegt oder rausgedrückt wird, und die Wedler kommen. Auch Angelika und ich laufen ins Feld und wedeln, obwohl der Kahn sich wieder halbwegs beruhigt hat, aber die Schnelligkeit, mit der die Modelle hier aus der Therme rausfliegen oder gedrückt werden, ist erschreckend. Micha hat zwischendurch in die Ergebnisliste geguckt und liest uns lauter prominente Namen vor, die schon rausgefallen sind. Der Sohn von Michael Rigault zum Beispiel direkt im Ersten. Der war festern noch Jugend-Weltmeister. Kulakowski haben wir selber gesehen, Adam aus Polen ist auch schon raus.
Jetzt kommt Lara an den Start, und mein Telefon hängt um 10:20 Uhr schon am Akku und droht ständig zu überhitzen. Die Sonne kostet den Akku einiges an Kraft.
In der Mitte des Feldes startet jemand, und wir sind erst unsicher, schicken Lara aber dann hinterher, guter Start und das Modell scheint vielen Dank, auch hinterher zu gehen. 37 Sekunden Motorlauf, und der Flieger kommt gut rum und geht Richtung Thermik, Höhe stimmt auch. Alles super, sagt Lara, und das stimmt auch.
2. Durchgang
Zweiter Durchgang, Stanislav am Start.
Guter Start, guter Kraft Flug, und es scheint auch gute Luft zu sein. Nach dem Übergang dort oben allerdings etwas enge Kreise, die Männer an der Startstelle fachsimpeln auch. Möchtest du wedeln, rufe ich Stanislav zu, der dem Modell hinterhergeht und seine Jacke auszieht. Michael Jäckel ruft per Funke das Wedelteam aus dem Zelt, und sie laufen ins Feld. Das Flugbild die ganzen 4 Minuten kein sicheres, auch leichtes Pumpen ist dabei, mein Micha meint später, das war vielleicht die erste richtige Thermik des Tages. Risiko, würde Bernd Silz sagen, doch es wird trotzdem ein Max.
Stanislav holt das Modell selbst zurück, sehe ich jetzt. Das beruhigt.
Bernhard ist an der Startstelle. Neben uns landet Kulakowsky ungebremst im hohen Gras, das ukrainische Wedelteam ratlos daneben. Es ist Wind aufgekommen, und die Einstellungen vom ersten Durchgang scheinen nicht mehr zu funktionieren. Das haben wir gerade bei Stan gesehen.
Bernhard guter Start, relativ steil für seine Verhältnisse. Der Kahn nimmt es aber gut mit, auch wenn er uns zittern und rum! rum! rum! rufen lässt. Doch dann tut er es auch, kommt rum und baut den Kraftflug gut aus. Das Wedelteam ist drunter, so sicher sieht er für mich auch noch nicht aus, und auch die Wedler sehen das so, sie fangen an. Es ist jetzt wirklich tückisch.
Nach zweieinhalb Minuten stabilisiert der Flieger sich endlich ordentlich und steigt auch mit der Thermik, sehr schön anzusehen jetzt und die Wedler entspannen auch.
Schöner Fahrstuhl, sagt André Seifert, und Micha Jäckel fügt hinzu, und das um halbe Neune, und mein Micha meint auch hier, das ist die erste fette Thermik heute. Max.
Der Wettkampfdirektor kommt an unsere Startstelle und sagt, Deutschland zur Modellkontrolle. Auch wir wissen nicht genau, welchen Piloten er wohl meint, beschließen den nächsten Starter zu schicken, das ist Andreas.
Jetzt kommt verzögert die Durchsage, dass Bernhard zur Kontrolle soll, und André geht als Assi mit.
Neben uns fazzt Per Findahl einen Gummi beim Aufziehen und der schlägt ihm mit Maschine vor die Schulter. Ich halte alle die Luft an bis Per, sichtbar benommen, der arme Kerl, sich wieder rappelt und auf den Beinen ist.
Andreas startet gut. Die Startverzögerung zwischen Abwurf und Propellerlauf lässt mich immer wieder kurz den Atem anhalten. Guter Kraftflug, und das Modell legt in sehr guter Höhe die Blätter an. Sieht gut aus, aber je weiter es auf den berüchtigten Hügel im Nordosten des Geländes zutreibt, umso weniger gefällt uns das Flugbild. Bei anderthalb Minuten fangen die Wedler an ihre Shirts zu schwingen. Bei zweieinhalb Minuten leichtes Pumpen, die Höhe aber gut und es scheint wirklich Luft zu sein. Wobei er jetzt nach links dreht und wieder zu uns zurückzukommen scheint. Dann fängt er wieder an zu pumpen. Nervenberuhigende Flüge sind das hier wirklich nicht. Dreieinhalb Minuten, und jetzt fliegt er wieder ruhig um 10 Sekunden vor Max dann doch wieder zu pumpen. Ein Max wird es trotzdem.
Lara ist Modell an der Startstelle. Von den Wedlern kommt die Durchsage, dass sie Stanislav Funkbremse gefunden haben im Gelände, die der beim Wedeln verloren hatte. Man muss auch Glück haben und ein richtig gutes Wedelteam, das auch suchen kann. Danke dafür!
Lara startet. Der Kraftflug diesmal ohne Bremse, aber das Modell ist danach nicht in wirklich guter Höhe. Die Wedler werden gerufen und sind auch schon dran.
Nach 2 Minuten sieht der Flieger halbwegs stabil aus, und hat auch noch nicht gebremst. Es ist nämlich das gleiche Modell wie in den vorherigen Bremsungen im Kraftflug. Bei 3 Minuten das Modell dann in wirklich guter Höhe, sehr stabil. Max.
Im Schattenzelt kommt ein Franzose vorbei und plaudert mit Paul, fragt ihn nach seiner Rolle heute. Paul erklärt, er sei Coordinateur der Wedler und wedeln heißt wohl auf Französisch mouliner. Der Franzose grinst und hat dann die Erkenntnis: AAh! Messieur Moulinex
1. Durchgang
Erster Durchgang. Wir sind an Startstelle 19, dem eher unteren Ende der Startlinie. Neben uns Serbien und Kroatien, wenn ich das richtig sehe, starke Teams.
Unsere Startreihenfolge hält sich ans Team T-Shirt, sagt Michael Jäckel: Stanislav zuerst, dann Bernhard, dann Andreas, dann Lara.
Schon gestern gab es während des Jugendwettbewerbes in B Diskussionen an den Startstellen, wenn Piloten zu weit weg aufzogen. Diese Diskussion bei B ist nicht neu, wird gefühlt an jeder großen Meisterschaft neu geführt, und doch versuchen die B Piloten immer so wenige Umzüge mit ihrem Bock wie möglich herauszukitzeln, was es den Mannschaftsführer nicht immer einfach macht.
Neben mir beim Kroaten fazzt der erste Gummi.
Stanislav kommt an die Startestelle. Micha und Micha sind da mit der Thermikmaschine, wobei Seiferts Thermikmaschine im Moment verschwunden ist, und das bringt uns sehr aus dem Gleichgewicht. Irgendwo in diesen langen Wettbewerbstagen ist sie auf der Strecke geblieben.
Stans Gummi reißt beim nachdrehen. Wechsel zu Bernhard.
Einige B sind jetzt schon gestartet, und die sehen nicht alle gut aus. 4 Minuten sind zu fliegen, und doch kreisen einige in 20 m Höhe über der Startstelle.
Bernhard kommt an die Startstelle, André Seifert ist Helfer und an seiner Seite.
Zwei Stellen weiter kommt Per Findahl mit einem B Modell und meldet sich an. Die Schweden haben wohl ein volles Team, er ist einer davon. In guter Tradition hat auch sein B Modell ein rosa und ein grünes Ohr.
Guter Start von Bernhard, nachdem 2 oder 3 Modelle neben uns den Bart angerissen haben. Bernhard sagt, ein bisschen steil geworfen, aber der Kraftflug ist sehr gut und stabil.
Über uns nur schwarze Kohlemodelle, Bernhards aber gut zu erkennen, da auch er ein rotes und ein grünes Ohr hat. Es fliegt solide eine Platzwunde nach der andern.
Obwohl er im Gleitflug leicht Höhe verliert, ist er zu keiner Zeit gefährdet und fliegt solide 4 Minuten. Erster Max für Deutschland.
Stanislav als zweiter und macht einen gigantisch senkrechten Start, ohne jede Drehung im Modell, einfach senkrecht hoch. Ein Moment Luft anhalten, bis der Flieger rum kommt, aber er tut es verlässlich und gut.
Auch der Gleitflug lässt keine Wünsche offen, Michael Jäckel, meint einmal, vielleicht etwas schnell, aber das Modell bremst ohne dass es wesentlich an Höhe verloren hat.
Andreas steht am Start. Er startet vielleicht ein bisschen flach, aber das Modell nimmt das mit und hängt sich gut auf. Gute Höhe. Keiner geht hinterher, aber gute Höhe. Lara mit dem Modell auf dem Weg zur Startestelle um sich direkt anzumelden, wenn Andreas fertig ist. Mein Micha sagt, ach, er schwebt ja, als Andreas Flieger vor unserer Startstelle im guter Höhe vorbeigleitet, ein ungefährdeter Max.
Erneuter Fehlstart für Lara, wie gestern im siebten, denn nach einem guten Abwurf bremst das Modell noch im Kraftflug. Ähnliches eben wie gestern, als das Modell auch im Kraftflug bremste, allerdings etwas später als diesmal, und es scheint der Modellnummer nach das gleiche Modell zu sein.
Lara kommt wieder an den Start jetzt mit einem anderen Modell.
Guter Start von Lara. Mein Micha sagt, jetzt muss er nur noch fliegen. Bei noch keinen 2 Minuten wird das Wedel Team gerufen, denn so richtig sicher ist der Flug nicht. Die Wedler sind jetzt drunter, aber das Modell wird immer schneller, je mehr es an Höhe verliert.
Bei 2 Minuten 40, haben wir jede Menge Wedler drunter, aber bei 3 Minuten kurvt das Modell nicht einmal mehr wirklich, sondern fliegt nur geradeaus, und das sehr schnell. Kommt jetzt wieder auf die Startstelle zu in 5 m Höhe. Liegt bei drei 48 unten.
„Slowenien“ wird über Mikro zur Modellkontrolle gerufen. Dürfen die sich jetzt aussuchen, welchen Piloten sie hinschicken?
Vorbereitung
F1 B. Tag 6:27 Uhr, und es waren gute 16°, als wir aufs Gelände gefahren sind. Jetzt wird das Lager aufgebaut, emsiges Treiben, der Vorbereitungsbereich wimmelt. Gefühlt ist die Woche hier allerdings sehr lang, und jeder ist jetzt froh, dass der Erwachsenen-Wettbewerb endlich Fahrt aufnimmt mit der dritten Klasse und sich auch irgendwie einem Ende zuneigt, übermorgen mit C. Jugend und Erwachsene zusammenzulegen ist eine enorme Belastung, allein schon durch die lange Zeit, durch jeden Morgen neuen Fotos auf eine neue Klasse und neue Piloten. Und eigentlich ist man immer dabei, entweder man wedelt oder man schreibt oder man sorgt sonst irgendwie dafür, dass das Team versorgt ist. Und das Team sind 34 Leute.
Unser Philipp hilft heute Morgen Stanislav an der Startestelle. Dani ist gerade nach kurzer Begrüßung des Feldes wieder zurück ins Hotel gefahren und will nur schlafen schlafen, die Woche zehrt an uns, das sagte mir heute Morgen auch mein unterer Rücken. Andererseits: wie viel Spaß macht es mir, nach vier Jahren wieder bei einem Wettbewerb dabei zu sein! Habe ich sehr vermisst.