Aus webtechnischen Gründen zeigt das Datum der Tagesberichte „2025“ an, auch wenn es das Jahr 2026 ist.

Wanderung um Uschguli zum Gwibari-Berg

Der Plan für heute war ein große Rundwanderung direkt von Uschguli aus auf dem Gwibari-Berg (3000 m). Wir sollten eine tolle Aussicht haben, sogar bis zum Elbrus (5642 m). Der Wetterbericht meinte, nachmittags könne es Gewitter und leichten Regen geben. Das größere Problem aber war der relativ viele Schnee, der in der Höhe noch lag. Deshalb wurde unser Team durch einen Bergführer verstärkt und die Laufrichtung umgedreht.

Wie meist, ging es steil bergauf, zunächst auf breitem, später auf schmalem Weg. Ein etwa 10jähriger Junge kam uns auf einem Pferd entgegen, ganz alleine. Unterwegs lernte ich dann, dass das was ich bisher für gelbe und weiße Alpenrosen gehalten hatte, Kaukasischer Rhododendron ist. Wir kamen bis 2700 m, die Aussicht war nicht nur durch die fehlende Höhe beschränkt, sondern auch weil sich viele Bergspitzen in Wolken hüllten. Auch dass unsere Bergführer sich mit Klettergurt und Seil ausrüstete, half nicht wirklich weiter. Der Weg an den steilen Hängen hätte durch einige größere Schneefelder geführt. So blieb nichts anderes übrig, als jetzt schon Richtung Tal zu gehen, durch kleinere, unkritische Schneefelder und viele Rhododendronbüsche.

Als wir recht weit unten angekommen waren und ich schon über ein privates Nachmittagsprogramm nachgedacht hatte, motivierte uns Shalva nochmals hoch zu gehen zu dem Wehrturm über Uschguli, sehr steiler, schmaler Weg. Kurz vor oben, sahen wir den ersten Blitz, es folgten einige Donnerschläge, aber zum Glück noch in akzeptabler Entfernung. Leichter Regen, das Gewitter kam nicht näher. So waren wir am frühen Nachmittag wieder im Quartier.

Ich ging dann alleine zu dem Wehr/Wohnturm, der über Leitern bestiegen werden konnte. Und diesmal kam ich hoch – mit recht verstaubter Hose, anders lässt sich der Übergang Leiter – Plattform nicht schaffen. Und oben war ein kleiner „Balkon“, dort wartete ich ein Weile bis ein größeres Wolkenloch Sonne auf das Dorf scheinen lies und so die Schieferdachplatten im Gegenlicht glänzten.

Martin hatte einen alten russischen Militärjeep im Dorf entdeckt bei einem „Car Service“ und es gelang ihm, ihn mit Fahrer für eine halbe Stunde zu mieten. Dazwischen ging ein heftiger Schauer herunter. Wir waren dann zu viert plus Fahrer und die Piste Richtung Gletscher hatte genügend Schlaglöcher und Wasserdurchfahrten, dass der Jeep zu Ehren kam. Und zur großen Freude von Martin bot ihm der Fahrer an, auch ein Stück selber fahren zu dürfen.

Abends wieder gutes Essen. Der Speisesaal ist nun recht international: Franzosen, Schweden, Österreicher und Deutsche. Drei kleine Punkte: Die Oma brachte einen Armvoll Holz in die Küche, der Herde wird mit Holz beheizt. Wie am Vorabend kommt ein Mann mit zwei großen Eimern (also rund 20 l) Milch ins Haus. Das Gästehaus wirbt mit „wir verwenden nur natürliche Produkte aus Georgien“. Während das Wasser im Krug auf dem Tisch aus dem Hahnen kommt, wird es für die Österreichische Gruppe gefiltert – ein Forderung deren Veranstalters.

Komoot zu dieser Wanderung: tiefster Punkt 2080 m, höchster Punkt 2700, 730 m hoch, 770 m runter, 9,4 km

 

Mestia und Uschguli

Heute war keine Wandertag, sondern ein Ausschlaf-, Besichtigungs- und Fahrtag. Wir gingen erst später los, weil das Bergsteiger-Museum nicht so früh aufmacht. Es ist das Geburtshaus des sehr berühmten, hoch CCCP-dekorierten Mikheil Khergiani, der zu Tode kam, als in Italien ein Steinschlag sein Seil durchtrennte. Interessant, das Haus ist altes Anwesen mit Wohn- und Wehrturm. Im Winter lebten Tiere und Menschen in einem Raum, im Sommer die Menschen einen Stock höher. Der Wehrturm war besteigbar, aber der Übergang von der ersten steilen Leiter auf das Podest war mir nicht ganz geheuer und so verzichtete ich auf die nächste Etage – habe mich aber doch etwas über mich geärgert. Danach das staatliche Museum für Swanetien mit alten Schätzen. Ein moderner Bau, aber noch ganz ohne Monitore und interaktiven Vorführungen.

Drei Erlebnisse in Mestia:
Das Postamt liegt im ersten Stock an der Hauptstraße, ein kleiner Raum mit vielen Paketen, Versandwaage und nicht so ganz aufgeräumt. Aber die junge Dame verkaufte mir gerne ein paar Briefmarken, die Blöcke waren am Rand einfach zusammen getackert. Briefkästen gibt es keine, die Post muss man zur Post bringen.
Es gibt großes, sehr leckeres Fladenbrot und durch die Verkaufstheke kann man dem Bäcker zusehen, wie er es frisch herstellt und in einem runden, oben offenen Ofen bäckt. Zwei Lari für ein Brot (70 Cent). Das Briefporto kostet sieben Lari (2,30 Euro).
Geld tauschen war in der Wechselstube in Tiflis Sache von weniger als einer Minute. Euro geben, Lari empfangen. Hier in der Bank war es ein bürokratischer Akt, Pass vorlegen, ganz viel wird abgetippt, unterschreiben, Beleg bekommen und dann die Laris.

Fahrt auf überwiegend guter Straße über Pass und immer dem Enguri-Fluß entlang, oft an steilen Hängen. Durch Abrutschungen der Schieferhänge von oben auf die Straße und von der Straße in Richtung Abgrund und den nötigen Aufräumarbeiten war die Straße auf einem Stück seitlich so weit gewandert, dass ein Pfosten der Stromleitung mitten in der Straße stand.

Ankunft in Uschguli, Europas höchst gelegenen, dauerhaft bewohnten Dorf in Europa (so etwa auf 2200 m). Allerdings halten nur noch etwa 60 Leute den Winter hier oben durch, die anderen haben ein zweites Standbein weiter unten, vor allem die, welche sich hier oben mit den Touristen (hier überwiegen die Wanderer und Rucksack-Reisenden) beschäftigen – und davon hat es viele. Also auch hier wieder ganz viele Gästehäuser etc. Aber trotzdem deutlich ruhiger und ländlicher als in Mestia.

Viele sehr ärmliche, auch defekte und verlassene Gebäude, viele Kühe in den Gassen unterwegs. Aber ganz, ganz viele Wehr/Wohntürme, deshalb ist ein Teilort von Uschguli UNESCO-Weltkulturerbe. Das ist aber eine sehr zweischneidige Sache, viele Gebäude sind in sehr schlechtem Zustand, es fehlt an Geld und wohl auch an Organisation für eine gute Renovierung. Also viele bautechnische und planerische Konflikte und Kompromisse.

Auf einem Hügel die Kirche Lamaria mit swanischen Fresken aus dem 10. Jahrhundert. Und dahinter Blick auf den höchsten, schneebedeckten Berg Georgiens (Schchara 5193 m). Im Tal weiter hinten kann Gold gewaschen werden.

Suruldi-Bergkette – Zwirmi Dorf

 

Heute war stabiles Wetter mit angenehmen Temperaturen angesagt. Auf einem kleinen, aber guten Sträßchen am steilen Hang mit Serpentinen brachte uns unser Bus durch den Wald auf 1800 m. Dort ging die Wanderung über die Suruldi Bergkette los. Die 12er Gruppe von Hausen-Reisen, die auch in unserem Hotel in Mestia wohnt, war vor uns da. Aber außer drei 2er-Wandergruppen, die auch den Weg gingen, sahen wir auf der ganzen Strecke niemanden.

Auf einem Karrenweg ging es durch den Wald hoch, meist mäßig ansteigend. Das letzte Stück bis zur Bergstation der Seilbahn auf 2485m (die nicht im Betrieb war) ging es Direttissima auf der Skipiste hoch. Kunstschnee gibt es hier keinen (im Winter natürlich), aber Flutlicht. Jetzt waren wir auf dem Höhenrücken, mal etwas rauf, mal etwas runter bis zu einer Ansammlung von Funkmasten mit Handyantennen und Richtfunk.
Die Birkenwäldchen reichten hoch bis auf 2500 m, so musste man nicht immer in die steilen Abgründe hinunter sehen. Die Aussicht war toll, in drei Himmelsrichtungen schneebedeckte Berge mit Höhen bis zu 5000 m – und ganz unten tief eingeschnittene Täler.

Die Blumen waren natürlich ähnlich wie in den Vortagen, aber manchmal dachte ich, sie seien noch schöner und fotografierte nochmals. Längst nicht alle Blumen kannte ich, und von den bekannten konnte ich mir nicht alle Namen merken.

Nach den Antennen ging es sei Stück sehr steil abwärts, meist in lichtem Wäldchen. Später dann ein schöner schmaler Weg durch Wiesen und weiter unten dann Nadelwald. Das letzte Stück war ungemütlich, mit brachialer Gewalt wurde ein Schneise durch das Schiefergestein angelegt.

Dann der Blick auf das Dörfchen Zwirmi mit Landwirtschaft und mehreren der berühmten Wohn- und Wehrtürme. Wir warfen auch einen Blick in einen kleine Kapelle, die wohl ihre besten Zeiten hinter sich hat. Zwar gibt es an einigen Häusern Schilder: Café, Bier, Gästehaus – aber nichts sieht touristisch aus. Überall laufen nicht nur die Kühe herum, sondern auch Schweine, oder sie liegen herum. Hier wartet Georg mit seinem Bus auf uns.

Wir haben noch Zeit für einen Bummel durch Mestia, das im Dorfkern sehr touristisch ist: Restaurant, Café, Hotel, Gästehause (und vor allem „Familien-Gästehaus“), sogar „Nachtclub“ steht an einem Haus. Das Publikum in den Straßen ist bunt gemischt, von großen, gut organisierten asiatischen Gruppen bis zu einzelnen oder paarigen Rucksack-Wanderer. Ich bin dann, was ich in fremden Städten gerne mache, in die Nebengassen ausgewichten, da war es ruhiger und angenehmer.

Komoot hat ausgerechnet: 12,3 km, 620 m rauf und runter, tiefster Punk 1890 m , höchster Punkt 2480 m

 

 

Blütenpracht: Ezeri – Bakipass – Maseri

.Von Betscho ging es mit unserm Bus bisschen zurück und in ein Nebental in den kleinen Ort Ezeria. Hoch zunächst auf Karrenweg, dann auf schmalem Fußpfad. Heute war der Tag der Blumenpracht in allen Farben, weiß, gelb, hellblau, dunkelblau, violett. Je höher man stieg, desto weiter kam man im Frühjahr zurück, sogar bis zu den Schlüsselblümchen, aber auch Knabenkraut, gelbe Alpenrosen, weise und rosa Margeriten, Vergissmeinnicht und ganz viele andere mehr.

In einer winzigen Hütte mit der Aufschrift „Antons Kaffee“ lebt zeitweise ein Mann, der als Soldat der Georgischen Armee in Auslandseinsätzen war und ganz kurz nach Dienstende einen sehr schweren Unfall hatte – und weil nach Dienstende bekommt er nur sehr wenig Geld. Unten im Dorf lebt seine Familie, er ist aber lieber viel oben am Berg in der ärmlichen Behausung.

Nach dem Pass (Bakipass 2480 m) zwei unproblematische Schneefelder überquert, dann Abstieg durch relativ dichte Wäldchen von kleinen Birken, später wurden sie größer und der Abstand lichter. Gegen zwei Uhr erreichten wir einen kleinen See (Maseri) – endlich Vesperpause. Das Lunchpaket konnten wir in unserem Gästehaus nach dem Frühstück zusammen stellen.

Da der Wetterbericht nicht so eindeutig war, hatten wir Regensachen im Rucksack – zu Glück brauchten wir sie nicht. Die Berge gegenüber, vor allem auch der Uschba (4710 m) verhüllte sich meist in den Wolken.
Zum Schluss ging es dann steil hintern durch einen Nadelwald und eine ganz toll blühende Wiese. Dort wartete dann unser Fahrer und brachte uns nach Mestia (die Region mit den vielen Türmen) in unser Gästehaus für zwei Tage.

Komoot sagt 11,8 km, 810 m hoch, 880 m runter

Fahrt nach Swanetien

Von Schwarzen Meer hoch in die Berge Swanetiens – das war unsere Fahrt heute, zeitweise im Regen, in den Bergen zum Glück aber wieder trocken und sogar Sonne. Zunächst in der Ebene durch landwirtschaftliche Flächen, oft ganz ähnliche, einzel stehende Häuser, einige recht chic, daneben andere ganz ärmlich.

Das erste Ziel war der Staudamm Enguri, mit 271 m Höhe eine der höchsten Bogenstaumauern der Welt. Der aufgestaute See erstreckt sich über ganz viele Kilometer. Der Stausee, er liegt in Georgien, versorgt über eine 19 km lange Leitung (meist Stollen, aber auch zwei Aquädukte) das Kraftwerk, das im heutigen Abchasien liegt. Nach anfänglichen Streit (Abchasien will nicht zu Georgien gehören und wird von Russland kontrolliert) einigten sich die Parteien über die Verteilung des Stroms. 40% des Strombedarfs wird vom Enguri Stausee geliefert (insgesamt stammen 85% des georgischen Stroms aus Wasserkraft). Besichtigung mit Führung. Vieles was wir sehen konnten, war Schwerst-Maschinenbau, sehr spannend.

Die weitere Fahrt geht parallel zum See, mal auf, mal ab, oft hoch über dem See an den steilen Hängen auf sehr kurviger Straße. Große Teile sind recht gut, aber durch die Hanglage gibt es immer wieder Steinschlag und Abrutschungen. Dadurch immer wieder nur geschotterte Strecken, oft auch verengt, und auch Baustellen, wo an der Verbesserung gearbeitet wird. So ist das Vorwärtskommen ziemlich langsam. Während die Fern-LKW, die wir gesehen hatte, überwiegend Europäisch waren, sind hier die schweren Baustellen-LKW überwiegend Chinesisch.

Mittagessen in einem kleinen Restaurant am Straßenrand, leckere Gemüse-Fleisch-Suppe und danach türkischer Kaffee.

Langsam erscheinen in der Ferne die schneedeckten Berge des Kaukasus, dann weitet sich das enge Tal: Bergwiesen mit einzelnen Gehöften. Abbiegen von der Straße nach Mestia, erste Nacht in Swanetien ist auf knapp 1500 m in den Dorf Betscho in einem Gästehaus hinter einem wohl ehemaligen Bauerhaus, unterstützt vom EU-Leader-Programm und von Österreich. Ich habe ein nettes, kleines Zimmer mit Dusche/WC. Die Pausenzeit nutze ich für einen längeren Spaziergang am Bergbach aufwärts, Wiesen voller Margeriten stechen hervor. Und wieder ein leckeres und vielfältiges Abendessen.

 

Kutaissi und Schwarzes Meer

Frühstück wieder auf der Terrasse mit Aussicht und dann runter in die Stadt. Die goldenen Figuren an dem markante Brunnen sind Vergrößerungen von kleinen Fundstücke der Archäologen. Eine ganz alte Seilbahn mit winzigen Kabinen führt vom Park über den Fluss hoch zu einem Vergnügungspark (stand leider nicht auf unserem Programm). In der großen Markthalle/Basar erledige ich meine Mitbringsel-Einkäufe – obwohl der Rückflug erst in acht Tagen sein wird, kommen wir in keine größere Stadt mehr.

Auf dem Hügel über der Stadt die Bagrati-Kathedrale, der nach dem Anbau eines Aufzugs und anderen Arbeiten der Status „UNESCO-Weltkulturerbe“ entzogen wurde. Dabei ist sie an vielen Stellen so renoviert worden, wie es zur Zeit beim Denkmalschutz angesagt ist, dass man auch nach den Arbeiten erkennen soll, was „echt alt“ und was renoviert wurde. Ein größere Renovierung gab es schon zur sowjetischen Zeit als Kulturdenkmal, nicht als Kirche.

Dann auf die Fahrt ans Schwarze Meer durch flache Landschaften, überwiegend mit extensiver Landwirtschaft, Kühe, Obstbau, niedrige Wälder, kleine Straßendörfer, …. Kühe und später auch Schweine auf oder neben der Straße. Die Kühe haben die Ruhe weg, unser Fahrer Georg lenkt unseren Bus mit leicht reduzierter Geschwindigkeit hinten ihnen durch, sie bewegen sich nicht. Wir kommen in die Hafenstadt Poti und besteigen über 160 Stufen den Leuchtturm, den 1864 die Engländer bebaut und dann vor Ort zusammen geschraubt haben. Schöne Aussicht auf die Stadt, direkt unter uns der Friedhof, weiter weg der Containerhafen, der auch eine Eisenbahn-Anbindung hat. Georgien, Armenien und die Schweiz sind die einzigen Länder, bei denen praktisch das ganze Schienennetz elektrifiziert ist.

Wieder durchs Landesinnere zur kleinen Küstenstadt Anaklia, die kurz vor der Grenze zu Abchasien liegt. Einerseits sollte sie ein touristischer Badeort werden, andererseits sollt in einige Entfernung ein großer Tiefsee-Hafen gebaut werden, damit auch die ganz großen Containerschiffe Georgien erreichen können. Die mehrfachen Regierungswechsel in Georgien haben den Projekten offensichtlich nicht gut getan. Im Ort gibt es eine schönen Palmenallee, einige Hotels, Standanlagen, etc. Dazwischen aber Bauruinen, angefangen, aber nicht fertig, manches leidet auch schon wie die gut 500 m lange Fußgängerbrücke über Enguri. Martin und ich sind so mutig und steigen in die recht warmen Fluten des Schwarzen Meers. Untergebracht sind wir in einem Vier-Sterne-Hotel, vieles ist chic, aber so manches fehlt auch … Aber das Abendessen ist sehr lecker. Außer uns sind die georgischen Gewichtheber zu Gast.

 

Höhlenstadt Uplisziche

Als heute Morgen das Handy um 7:15 weckte, kam es mir deutlich dunkler vor als bisher. Ein Blick raus: tiefhängende Wolken und heftiger Regen. Hatten wir gestern ein Wetterglück bei unserer Bergwanderung. Bis zum Beladen des Autos war es dann etwas schwächer. Mit den vielen feuchten Sachen beschlugen sich die Scheiben kräftig. Es dauerte eine längere Zeit, bis wir unserem Fahrer und Reiseleiter klar machen konnten, dass es als Gegenmittel was praktischeres gibt, als mit einem Lappen laufen die Frontscheibe zu wischen, nämlich die Klimaanlage. Der Fahrer hatte Sorge, durch das viele Wasser auf der Straße die großen Schlaglöcher nicht sehen so können und sich dadurch sogar seine Reifen beschädigen können. Es ging hoch auf dem Pass und dann wieder runter, die gleiche Strecke, wie wir sie hergekommen waren. Zwischendurch Tankstopp, der Sprit kostet hier etwas über einen Euro umgerechnet, Ritter-Sport gibt es für 4 Euro.

Später wechselt die Fahrrichtung von nach Süden nun nach Westen. Die Autobahn bis ans Schwarze Meer ist nun durchgehend fertig, selbst in der Karte im Reiseführer Ausgabe 2026 fehlte noch ein Stück und man musste noch über einen Pass. Jetzt also durchgehend, 30 Tunnel, im Schnitt etwas jeweils einen Kilometer lang. Teils führt die Straße durch tiefe Einschnitte mit Beton gesicherten Wände. Bei der Fahrt durch die Ortschaften fallen immer wieder die Gasleitungen auf, die teils wie Geländer der Straße entlang führen, bei Einfahrten dann auf Torhöhe hochgehen, manchmal etwas vor den Häusern, manchmal direkt an den Hauswänden befestigt. Die Bewohner der höhergelegenen Ortschaften bekommen das Gas kostenlos. Nach den Bergen geht es durch hügliges Land mit Landwirtschaft.

Wir kommen nach Gori, der Stadt in der Stalin geboren wurde. Das Geburtshaus ist heute ein Museum, im Park seht der gepanzerte Eisenbahnwagen, mit dem er durch Russland gereist ist. Vor einigen Jahren wurde das Stalin-Denkmal in der Stadt abgebaut. Es gäbe aber immer noch Stalin-Verehrer. In dem Krieg um die Unabhängigkeit Georgiens hatten russischen Kampfjets sogar die Innenstadt von Gori bombardiert.

Auf Nebenstraßen dann zum heutigen Highlight, die Höhlenstadt Uplisziche. Kurz vor Beginn der Sommerferien sind auch in georgischen Schulen Ausflüge angesagt, entsprechend groß war hier der Rummel, auch ein UNESCO-Weltkulturerbe. Nach einem kleinen Imbiss machten wir uns an die Besichtigung, Shalva als Archäologe hatte natürlich viel zu berichten. 5000 Menschen lebten hier, die erhaltenen Teil gehen bis auf 200 v.Chr. zurück, die griechische, die römische und die mittelalterliche Phasen können unterschieden werden. Die ganze Stadt, die auch befestigt war und direkt oberhalb des Flusses liegt, ist in den Sandstein gegraben, was einerseits relativ „leicht“ geht, andererseits über die Jahrhunderte hinweg auch nicht sehr dauerhaft ist, auch Erdbeben geschädigten viel. Aber es sind nicht einfach „Höhlen“, die Räumlichkeiten haben zum Teil „Kassettendecken“ wie in gemauerten Gebäuden, auch ein Tempel gab es. Die Kirche wurde oben als gemauertes Gebäude erstellt.

Dann nach das letzte Stück bis nach Kutaissi, mit 120 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt von Georgien. Unsere Pension, mit schöner Aussicht über die Stadt, erreicht der Fahren durch viele kleine Gässchen. Abendessen auf der Dachterrasse zur untergehenden Sonne.

Saberze Paß, Kloster Gergeti, Kasbek-Blick

830 m rauf und 1260 m runter ist heute angesagt, von Stepanzminda Richtung Kloster Gergeti und Saberze Pass (knapp 3000 m) und dabei den Berg Kasbek (gut 5000 m) vor Augen. Optimales Wetter, blauer Himmel und der Kasbek zeigt sich schon in voller Schönheit.

Wir fuhren mit einem geländegängigen Kleinbus hoch bis kurz vor das Kloster, sehr gute Straße, allerdings viele enge Serpentinen und recht steil. Hätte aber unser normaler Bus locker geschafft. Hat wohl psychologische und/oder taktische Gründe hierzu ein anderes Fahrzeug anzuheuern.

Abwechselnd recht steil und dann wieder moderat ging es auf schmalem Pfad den Wiesenhängen entlang immer dem Kasbek entgegen. Unten noch Wäldchen mit kleinen Birken, oben dann an Schneefeldern vorbei. Küchenschellen, gelber Hahnenfuß, gelbblühende Alpenrosen, kleiner Enzian („Schusternägele“) und noch einiges mehr. Mit kleinen Verschnaufpausen hatten wir schon nach 2,5 Stunden die gut 800 Höhenmeter bewältigt.

Und oben auf dem Sattel das neue 360Grad Café, viel Glas in klassischer Hausform. Wir waren zeitig dran, später kamen relativ viele Leute hoch, auch 5 Pferde mit der Versorgung für die Hütte. Sie ist auch Ausgangspunkt für größere Berg- und Klettertouren, vor allem wenn noch mehr Schnee geschmolzen ist. Eine Wetterstation mit Übernachtungsmöglichkeiten am Rande des Gergeti-Gletschers konnte man sehen. Zum Kaffee der Hütte verzehrten wir unsere Lunchpakete. Das eine Foto durch die Scheibe ist der Blick aus des Plumps-Toilette – sie steht so weit vor dem Abhang, dass man höchstens vom Gegenhang reinschauen könnte. Runterzus auf einem anderen Weg mit Sicht auf das Kloster (und den vollen Parkplatz), Stepanzminda und die Bergkulisse dahinter.

Unten dann an der Kirche ein kleiner Kulturschock, die vielen Menschen, überall in Pose stehen für ein Handyfoto …. UNESCO-Weltkulturerbe kann auch eine Plage sein. Unser Reiseleiter sehnte sich 10 Jahre zurück, da sei es hier noch unverfälschter und ruhiger gewesen. Danach noch weiter abwärts bis ins Dorf Gergeti, dort holte uns unser normaler Bus ab.

Komoot meint 790 m hoch, 1100 m runter, höchster Punkt 2960 m, 10,2 km, reine Gehzeit 3:10 (aber, wie gesagt, die extrem kurzen Zeiten von Komoot sind mir nicht plausibel).

Abendessen dann im Gästehaus, im dem auch Reiseleiter und Fahrer übernachten. Aber auch hier waren fünf Gruppen zum Essen. Sehr vielfältig, sehr viel, sehr lecker ….

Sno-Tal und Bergdorf Dschuta

Heute geht es nun richtig in die Berge. Vom mit 2165 m höchst gelegenen Bergdorf Dschuta wollen wir zu einem Bergsee und einem kleinen Wasserfall wandern. Der Start ist nicht ganz so einfach: da die Straße im hinteren Teil eine schlechte Schotterpiste ist, sind wir mit einem kleinen Allrad-Bus unterwegs bis zur Stelle, wo die Straße abgerutscht ist (schon vor längerer Zeit), aber nicht richtig repariert und deshalb offiziell gesperrt ist. Also aussteigen, ein paar hundert Meter laufen bis die Straße wieder ok ist und dort wartet ein „Taxi“ vom Dorf und bringt uns nach Dschuta. Wir sind aber längst nicht die einzigen, recht viele Touristen sind ebenfalls unterwegs, darunter viele Asiaten.

Das Dorf hat keinen anderen Zugang, die Dorfbewohnen befahren offensichtlich auch das gesperrte Stück ihrer einzigen Zufahrt. Duschta hat wohl kaum 100 Einwohner, im Winter noch weniger. Es hat sich auf die Touristen eingestellt, vor allem wenn weiter oben der Schnee auch weg ist, ist es auch ein Ausgangspunkt für größere Bergtouren. Hotel, Gästehäuser, Café, Restaurant, Pferde ausleihen (mit Führer) – aber zum Glück geschmackvoll gemacht, überwiegend Holz, passend zu einem  Bergdorf. Die Wege sind sogar mit LED beleuchtet.

Anfangs ein bisschen steil, später sanft ansteigend, über einen zerstörten Fußgängersteg, an Schneefeldern vorbei, vor uns immer die Bergspitzen und darunter sind die Hänge noch schneebedeckt. Viel Gelb, vor allem Sumpfdotterblumen, gelbe Schachtelhalmblüten, verschiedene blaue Blümchen. Und immer wieder werden wir von Touristen auf Pferden überholt. Rast an dem kleinen Bergsee, der direkt vom Schmelzwasser versorgt wird.  Das hält aber Matthias nicht ab, bis unter die Knie reinzusteigen, er meint „deutlich unter 10 Grad“. Ein anderen Mann schwimmt sogar zweimal im See, wohl so was wie Eisbaden.

Auf dem Weg zum Wasserfall (höchster Punkt war 2570 m) die Herausforderung, die beiden Arme des Baches zu überqueren, einige entscheiden sich dafür zu springen (auch ich), andere waten barfuß durch.  An einer schönen Berghütte mit Aussicht große Rast, Lunchpakete hatten wir ja bekommen und dazu ein doppelter türkischen Kaffee von der Hütte. Unterhalten wurden wir von drei recht jungen Hunden, die sich mit Betteln versuchten, mit einem gewissen Erfolg. Nach einer Weile legte sich einer unter unser Tischchen und hielt Mittagsschlaf. Von der Berghütte wieder zurück ins Dorf.

Fahrzeugwechsel vor unseren Hotel und mit „unserem“ kleinen Transit weiter auf der Heerstraße bis zur russischen Grenze. Eine wirklich schlechte Straße, zum Teil über dem Tal, viele Schlaglöcher und an einigen Stellen so eng, dass LKW nur im Schritttempo aneinander vorbei fahren können. Unter im Tal wird an der neuen Straße und neuen Tunnels gebaut.

An der Grenze (d.h. georgische Station, danach kommt 4 km Niemandsland und dann die russische Station) hat der georgische Patriarch vor einigen Jahren eine neue Kirche mit Kloster gebaut, damit man gleich sieht bei der Einreise, dass man jetzt in einem christlichen Land ist.

Zur Wanderung meinte Komoot 9 km seien wir gelaufen, 380 m hoch und 430 m runter, in einer reinen Gehzeit von 2,5 Stunden – wobei die Zeitrechnung von Komoot mir meist viel zu kurz vorkommt.

Kirchen und Fahrt nach Stepanzminda

Heute ging es nun Richtung Berge, in den Kaukasus. Auf dem Weg dorthin noch einiges an Kultur. Zunächst mussten wir uns in einem langen Stau aus Tiflis hinaus quälen. Wir kamen an dem großen künstlichen See vorbei, der Tiflis mit Wasser versorgt. Auf einem Hügel am See ein Denkmal aus mehreren, über 30 m hohen Säulen, welche die Geschichte Georgiens darstellen sollen. Zur sowjetischen Zeit begonnen, dann eingestellt und schließlich wieder weiter gearbeitet. Und daneben eine große Trabantenstadt von Tiflis, fast nur so etwa 10stöckige Wohnblocks, teils ziemlich herunter gekommen, zum Teil neu gebaut.

Danach ging es flüssig weiter auf einer Autobahn bis zur alten Hauptstadt Mzcheta. Auf einen Hügel außerhalb die älteste georgische Kirche und unten in der kleinen Stadt eine größere, auch wichtige. Beide gehören zum UNESCO-Kulturerbe und waren entsprechend gut besucht. Der Ort selber hat auch archäologischen Bedeutung und steht unter Denkmalschutz.

Bei einer Musikerfamilie waren wir zum Mittagessen. Alles sehr lecker, sehr vielfältig und sehr viel. Bevor es los ging durften wir zuschauen und helfen, wie die berühmten Teigtaschen Khinkali gemacht werden. Der Vater mit Tochter und zwei Söhnen macht Tourneen durch Europa mit georgischer Musik. Nach dem Essen spielte er zusammen mit seinem Enkel das dreisaitige gitarrenähnliche Instrument und sang dazu. Anschließend spielte auf einer Georgischen Flöte. So waren wir bestes versorgt.

Dann eine Kirche mit Befestigungsanlage am Schinwali-Stausee, der der Stromproduktion dient. Vor rund 50 Jahre wurde ein Dorf mit 10 000 Einwohnern komplett umgesiedelt. Auch die Archäologen waren traurig, weil sie nur ganz wenig Zeit hatten für vielversprechende Ausgrabungen.

Wir waren auf der alten Heerstraße unterwegs, die durch/über den Kaukasus nach Russland führt. Das eigentliche Paßstück auf 2500 m kann in einigen Jahren durch einen 9 km Tunnel umgangen werden. Finanziert von der Weltbank, gebaut von einer chinesischen Firma, die auch viele eigene Arbeiter einsetzt, darunter sollen auch Gefangene sei. Die Paßstraße geht in Serpentinen an einer fast senkrechten Wand hoch, sie ist in recht schlechtem Zustand, wohl weil es bald den Tunnel geben wird, Sattelzüge kommen entgegen, allerdings nicht ganz so viele, wie ich befürchtet hatte. Die Schneeberge kommen näher und kurz vor dem Paß dann ein Ski-Ressort mit vielen Hotel – sowas sieht im Sommer wenig einladend aus.

Ein Stück nach dem Pass dann ein Stopp für viele Touristen mit den entsprechenden Kiosken. Vom Berg herunter kommt schwefliges Wasser, das sich dann ähnlich wie bei Tuffsteinen ablagert. Parallel zur Straße gibt mehrere, längere Lawinenverbauungen, die aber so schmal sind, dass kein Gegenverkehr möglich ist.

Um ½ 7 sind wir an unserem modernen Hotel in Stepanzminda für drei Tage mit Sicht vom Zimmer auf den schneebedeckten Kasbek (wenn er sich gerade nicht hinter Wolken versteckt) und das Kloster Gergeti.

Wanderung zum Kloster Garedschi

Nun geht es raus aus der Stadt und zum Eingewöhnen eine kleine Wanderung. Georg holt uns mit seinem recht neuen kleinen Ford Transit (so VW-Bus Größe, passend für uns fünf Touristen) ab, er spricht sogar ein bisschen Deutsch. Shalva bringt uns von einem deutschen Café Lunch-Pakete mit.

Zuerst die Staus in der Stadt, dann die ganz moderne, 6spurige Ausfallstraße mit teil ganz modernen Gebäuden und Geschäften, aber auch große, heruntergekommene Plattenbauten, die sich nur in der Farbe der Balkongeländer unterscheiden. Später die typischen Ausfallstraßen mit allerlei Geschäften, meist recht einfachen, am Straßenrand. Noch ein riesiges Areal mit ganz vielen parkenden Autos, in diesen sehr einfachen Gebäuden könne man alles kaufen, auch „original Armani aus China“.

Dann wieder Wechsel zur neuen Autobahn, sogar mit Beleuchtung. Parallel führt eine eingleisige, elektrische Bahnstrecke. Wir biegen ab und kommen durch viele Plantagen, vor allem mit kleinen Aprikosenbäumen. Später wird es hüglig, grüne Wiesen, wenig Kühe und Schafe. Die sind schon auf der Sommerweide.
„Durch die karge, aber vielfältige Steppenlandschaft“ – da bin ich wohl etwas abgehärtet, was „karg“ betrifft. Es ist ein sattes, grasbewachsenes Grün, allerdings mit wenig Farbe dazwischen. Wohl ist die Zeit der Frühjahrsblüher vorbei.

Zu Fuß erreichen wir das Höhlenkloster „Horn von Dodo“, gerade rechtzeitig bevor ein Gewitterguss mit viel Gedonner nieder geht. Hier herrscht eine strenge Kleiderordnung, bei den Frauen darf die Hose nicht unter dem Rock hervorschauen. Die Mönche leben in Höhlen, auch die Kirche ist in den Standstein eingegraben. Von Erdbeben wurden die Höhlen schon beschädigt, außen an der Kirche gibt es ein Stahlgerüst, um den Berg und damit die Kirche zu stützen. Unterwegs hatte Shalva noch Geschenke für die Mönche eingekauft: Kaffee und Schokolade, wenigstens ein bisschen Luxus in dem kargen Leben. Hier und am Kloster Garedschi, das wir dann nach 2 Stunden wandern erreichen, kommen nicht nur Touristen, die Einheimischen sind sogar in der Mehrzahl (heute ist ja Sonntag), die aus religiösen Gründen hierher kommen.

Unterwegs treffen wir mehrere Schildkröten und machen eine Rast für unsere Lunchpakete – schmecken gut, sogar ein Nachtisch-Küchle ist dabei.
Das Kloster Garedschi ist eine etwas größere Anlage, gut mit dem Auto zu erreichen. Auch hier das Meiste in Höhlen, aber mit einer Befestigung außen herum. Das Kloster wurde öfters erobert, zerstört und einmal 600 Mönche ermordet. Der schönste Teil der Anlage liegt allerdings ein Stück weiter – aber dort ist schon Aserbaidschan. Da sich die beiden Länder über den genaue Grenzverlauf streiten, darf man dort nicht hin (weiter oben am Berg ist sogar eine Kaserne mit Soldaten). Auch die UNESCO konnte hier nichts erreichen. Als wir zu Rückfahrt starten, kommt die nächste Regenfront.

Abends dann alle Fünf zusammen auf eigene Faust um Khinkali zu essen, Teigtaschen mit unterschiedlicher Füllung.

 

Zweiter Tag in Tiflis

Heute Morgen ging es offiziell los. Außer mir sind es zwei Paare, das eine etwas jünger als ich, das andere etwas mehr, aber nicht wirklich jung. Das eine Paar hatte schon direkt vorher eine 5-tägige Reise durch Armenien gemacht, zwar vorgebucht, aber im Mietwagen selber gefahren. Der Reiseführer ist ein junger Mann, studierter Archäologe, er hat einige Jahre in Deutschland gelebt und studiert, davon ein Teil in Stuttgart. Er spricht perfekt deutsch. Über die Änderungen der VVS-Zonen in um um Stuttgart war er informiert. Damit wir uns in Georgien nicht verlaufen, bekamen wir eine Landkarte und zum Lernen ein Kärtchen mit dem georgischen Alphabet.

Spannend war für mich, was ich heute Neues sehen werde und wo ich mich schon auskenne. Da es eine Wanderreise ist, waren wir den ganzen Tag zu Fuß unterwegs. Zurück dann eine Station mit der Metro, damit wir sie auch mal kennen lernen. Früher gab es auch mal Straßenbahnen in Tiflis, die wurden aber zugunsten der Metro und Busse abgeschafft. In der Sowjetunion wurden Metros nur für Millionenstädte gebaut, Tiflis hatte dies mit einigen Anstrengungen geschafft. Sie verläuft in 100 m Tiefe – damit sie atombombensicher ist. Zumindest beim Unterqueren des Flusses muss sie sehr tief sein, da die Stationen hoch über dem Tal liegen. Man hält einfach seine EC-Karte an das Drehkreuz, 1 Lari = 30 Cent werden ohne weitere Eingabe abgebucht und man kann 1,5 h Metro und Bus fahren.

Was so auffällt in Tiflis:
es ist sehr sauber, man sieht auch oft Personal beim Kehren und Aufräumen
an Parkplätzen gibt es Parkwächter zum Bezahlen
die meisten Autos sind in gutem Zustand, überwiegend Japaner, auch einige Europäer. Und immer wieder mal ein sehr hochpreisiges. Einfuhr von Autos über 6 Jahre alt ist verboten, damit das Land nicht mit allen Karren überschwemmt wird

recht viele Hunde, bei denen kein Besitzer zu erkennen ist, sie liegen im Park oder am Gehweg in aller Ruhe, oft schlafen sie, kein Gebell, und interessanterweise kaum irgendwo HundescheißeWir kamen am Bäderviertel vorbei, dort kommt 35 C schwefliges Wasser aus dem Boden. Die Bäder sind modernisiert, wenn man reinkommt ist ein großes Display, an dem man wählen und buchen kann. Eine Bad mit Nebenraum für 1-2 oder bis 6 Personen, ob man auch noch eine bestimmte Massage möchte etc. Den Weg zur Burg machten wir umgekehrt zum meinem Weg gestern, zuvor noch in der Schlucht dem Bach entlang.

Durch den Souvenir- und Einkaufstunnel unter dem Maidan-Platz (durch fand früher der Markt statt, alle Geschäfte wurden hier abgewickelt) und dann in die lange Gasse mit den vielen Kneipen. Zunächst in den Keller einer ehemaligen Karawanserei in eine Bäckerei. Danach in einem Restaurant ein Kaffee mit einem großen, gemeinsamen Früchte/Süßigkeiten-Teller. Später dann am Parlamentsgebäude vorbei, vor dem praktisch an jedem Tag Proteste/Demonstrationen stattfinden.

Im Nationalmuseum wurden wir von einer älteren Dame auf Deutsch durch die Sonderausstellung mit historischem/georgischen Goldschmuck geführt, eindrucksvoll die Goldarbeiten schon vor über tausend Jahre vor Christus. Die besuchten Kirchen habe ich jetzt nicht mehr aufgeführt. Unterwegs konnten wir von Bäumen direkt schon reife, weiße Maulbeeren ernten und auch gerade schon reife Mispeln.

Abendessen dann in einem guten Restaurant in der Höhe über dem Fluss mit Aussicht über die Stadt, schon Kofi Anam hat dort gespeist, drei Georgier haben gesungen. Vor dem Fenster waren die Flugfiguren von Mauerseglern zu bewundern. Viele unterschiedliche Vorspeisen, Obst als Nachtisch, insgesamt fast vegetarisch.

Nachdem der Reiseführer uns erzählt hatte, dass in der Friedensbrüche in den Glasgeländern 30 000 LED installiert sind (ganz winzige, die Kabel kann man kaum erkennen), bin ich nach dem Essen nochmals hin, um sie im Dunkeln zu bewundern und natürlich zu fotografieren.

Erster Tag in Tiflis

Da ich einen Tag früher geflogen war, hatte ich heute einen Tag in Tiflis auf eigene Faust für mich alleine. Sehr große Auswahl beim Frühstück. Der Wetterberichte meinte allerdings, mit Regen und Gewitter müsse gerechnet werden. Also mit Schirm im Rucksack und Halbschuhe statt Sandalen an den Füßen.

Runter Richtung Metrostation, die ich vom Vorabend schon kannte, dann weiter zum Fluss Mtkvari, der sich breit mit braunem Wasser durch die ganze Stadt zieht. An beiden Seiten geht es steil hoch, deshalb gibt es in Tiflis drei Seilbahnen und eine Standseilbahn um auf die westlichen Höhe zu kommen. Was auffällt ist der starke Verkehr, aber auch die vielen Parks. Damit die Fußgänger auf die andere Seite kommen können, gibt es einige Unterführungen. Die sind unten aber nicht „tot“, sondern mit vielen ganz kleinen Geschäften belebt. An den Treppen wird öfters mal gebettelt, auch sind an einigen Stellen die Nachtlager von Wohnsitzlosen zu sehen. Zunächst am Fesselballon vorbei, der Touristen zu einer Sicht von oben verhelfen kann, er ist aber nicht in Betrieb. Und daneben gleich die erste Seilbahn, die zur Festung und „Mutter Georgien“ hochschwebt. Dann die zwei Röhren der Konzerthalle, die aber ungenutzt vor sich hingammelt. Über die eindrucksvolle Fußgänger-Brücke (die allerdings nicht jedem/r Georgier/in gefällt) hinüber in die Altstadt mit den Gassen, den alten Häusern mit Balkonen und Veranden. Insgesamt ist hier der Kontrast sehr groß, schöne, renovierte Gebäude, Häuser in schlechtem Zustand und auch Wohnungen, die einen sehr ärmlichen Eindruck machen. Eindrucksvoll die orthodoxen Kirchen, ziemlich dunkel, aber über und über ausgeschmückt mit goldenen Mosaiken. Und nicht nur schaulustige Touristen, fast mehr Gläubige und Popen.

Steil hoch zur Festung Narikala, rein kann man nicht, eine einzige Baustelle. Blöd aber ist, dass der Weg zur „Mutter Georgien“ auch gesperrt ist. Wieder runter, der botanische Garten verlockt und dort entdecke ich, dass man durch ihn auch auf die Höhe kommt. Hier ist alles ganz ruhig, fast keine Menschen – das wird ganz anders, wenn man oben bei Bergstation und Mutter Georgien ankommt: vielen Menschen und fast noch mehr Stände mit allem möglichen Touristen-Kruscht. Die riesige Figur hat vom Künstler aus Anlass der Unabhängigkeit Georgiens vor einigen Jahren einen Lorbeerkranz auf ihr Haupt bekommen. Dann wieder runter von der Höhe. Gestärkt mit einem großem Becher frisch gepresstem Orangensaft mit einem Granatapfel dabei. Es war ein relativ ruhiger Platz ohne viel Touristenrummel, aber ein Touristenpreis.

Unten an der deutschen Schule vorbei an den Freiheitsplatz mit dem goldenen Kämpfer auf der Säule. Praktisch sind die vielen kleinen Lebensmittelgeschäfte, da kann man sich bei Bedarf gut eindecken. Kaffeepause mit einem „Pain au Chocolat“. Dann kommt die Prachtstraße. Was auffällt, obwohl die aktuelle Regierung die EU-Verhandlungen verschoben hat, weht doch meist (an öffentlichen Gebäuden) neben der georgischen, auch die Europafahne.
Nachdem morgens der Himmel bedeckt war und dann die Sonne kam, dachte ich, das ist vorbei. Aber am frühen Nachmittag kam dann doch der Regen, also Foto eingepackt und Schirm aufgespannt. Wieder durch ein Stück Altstadt zurück, über die Fußgängerbrücke (die jetzt als Regenschutz besonders beliebt ist) zurück ins Hotel mit dem Gefühl, den ersten Wandertag hinter mehr zu haben. Ich bin tatsächlich eingeschlafen bis es laut klopfte. Die Zimmerfrau stand vor der Türe „Clean“.

Jetzt ist wieder sonnig und ich werde mich nochmals auf dem Weg machen, was zum Abendessen zu finden.

Vor dem Essen war ich noch oben in der Sameba-Kathedrale – eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt mit Platz für 15 000 Menschen, 2004 erbaut, finanziert von einem georgischen Unternehmer, der später auch 2 Jahre Premierminister war. An Eingang gab es wohl „Notkopftücher“ für die Frauen. Sah irgendwie seltsam aus, Mädchen bauchfrei und mit Dekolleté, aber mit einer Art Serviette auf dem Kopf. Auf dem Runterweg war ich dann Abendessen in einem kleinen Restaurant, georgisch, war lecker.

Die Reihenfolger der Bilder stimmt leider nicht ganz.

 

Flug nach Tiflis

Die einzigen, zum Glück nur kurzen, Bauchschmerzen bereitete die Bahn heute Morgen. Zwar meldete bei der Abfrage neben dem Frühstück her die VVS-App, alles ok. Mit dem Taxi am Bahnhof aber angekommen, sagt die Anzeige, meine S-Bahn fällt heute aus. Aber mit Zug und umsteigen in Cannstatt auf die S-Bahn zum Flughafen ging alles gut, ich war zeitig dort und es gab nirgends eine Warteschlange. So war ich schon sehr früh am Gate, ganz entspannt.
Der Flieger der Turkish Airlines nach Istanbul war ziemlich voll. Ich hatte mir aber einen Fensterplatz gegönnt (dafür verlangen die Fluggesellschaften inzwischen einen Aufpreis). Um Stuttgart herum war es regnerisch und so konnte man die nähere Umgebung von oben nicht betrachten. Später gab es immer größere Wolkenlücken: Österreich, Ungarn, Rumänien. Immer interessant die unterschiedlichen Strukturen der Landschaft und auch der Bewirtschaftung von oben zu betrachten. Kurz vor Istanbul ganz viele Windkraftwerke, meist in Gruppen von etwa 10 Anlagen, insgesamt wohl an die 200. Dann die Trabantenstädte von Istanbul, zum Teil ganze neue Viertel mit großen Wohnhäusern, einige davon sogar reine Hochausanlagen. Stuttgart – Istanbul sind gut drei Stunden, nachher Istanbul – Tiflis zwei Stunden.

Der Flug hatte einige Verspätung, da deutlich über 10 Passagiere mit Rollstühlen in das Flugzeug gebracht und wieder abgeholt werden mussten. Der neue Istanbuler Flughafen ist sehr groß und sehr großzügig angelegt. Neben vielen Geschäften und Restaurants (wie üblich) gibt es aber auch ruhige Zonen, in denen man gut seine Wartezeit verbringen kann.

Das Flugzeug nach Tiflis war dann ganz voll und es gab sogar in den zwei Stunden nochmals ein Essen – beide Verpflegungen waren übrigens recht gut. Ich saß wieder am Fenster. Da der Flug aber dem Südrand des Schwarzen Meers entlang ging, sah ich die meiste Zeit nur Wasser. Und bevor wir dann über Georgien ankamen, zog die Wolkendecke zu und erst kurz vor Tiflis hatten wir wieder Bodensicht. Obwohl wird beides mal über 10 000 m hoch flogen, kamen wir einige Zeit in eine so hoch reichende Wolkenschicht.

Pass und Gepäck in Tiflis ging schnell. Der Flughafen ist nicht groß, aber ein ziemlich neues Gebäude. Von einem Fahrer des Reisebüros wurde ich abgeholt, rasch noch eine georgische SIM-Karte für das Handy gekauft. Ein neues, schickes Hotel, noch eine kleine Runde gemacht, Geld getauscht und Wasser gekauft – aus dem Hahnen soll man es hier nicht trinken.

Bilder folgen, bin jetzt müde

 

Reiseplanung

Nach der Mongolei (2023), Usbekistan (2024) und Kirgistan (2025) habe ich mich weiter nach Europa vorgearbeitet und mir Georgien für 2026 als Ziel einer Wanderreise ausgesucht. Auf das Reisebüro „Gegoria Insight“ bin ich auf der cmt in Stuttgart aufmerksam geworden. Es ist in Tiflis, der Hauptstadt von Georgien, ansässig, nicht ganz klein und wird von einem Georgier und seiner deutschen Frau geführt. Ihre sehr gute Webseite informiert nicht nur über ihre Angebote, sondern auch über Georgien ganz allgemein: www.georgia-insight.eu/.

Georgien – ein Überblick

Wikipedia schreibt: „Georgien ist ein eurasischer Staat im Südkaukasus, östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Großen Kaukasus gelegen. Im Norden wird er von Russland, im Süden von der Türkei und Armenien, im Osten von Aserbaidschan begrenzt. Die Landesteile Abchasien und Südossetien sind von russischen Streitkräften besetzt und nicht unter Kontrolle der georgischen Regierung.“

Von den 3,7 Mill Einwohner lebt ein Drittel in der Hauptstadt Tifils, flächenmäßig ist Georgien so groß wie Bayern, insgesamt hat Georgien rund 65 Einwohner/Quadratkilometer (Deutschland 250). Ein großer Teil des Landes ist Gebirge, der höchste Berg ist etwas über 5000 m hoch. Georgien liegt auf den gleichen Breitengrad wie Rom. Gegenüber unserer Sommerzeit ist Georgien 2 h voraus.

Schon im 4. Jahrhundert wurde Georigen christlich, heute ist die griechisch-orthodoxe Kirche fast eine Staatsreligion. 1921 wurde Georgien von der Roten Armee besetzt und ein Teil der Sowjetunion. Josef Stalin stammt übrigends aus Georgien. Nach dem Zerfall der UdSSR wurde Georgien wieder unabhängig. Eine Zeitlang war Eduard Schewardnadse, der frühere georgische KP-Chef und sowjetische Außenminister, Präsident. In den Folgejahren gab es öfters Proteste und Revolutionen mit Wechseln der Staatsführung. Nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine beantragte Georgien im März 2022 die Aufnahme in die Europäische Union. Nachdem die vom neuen Parlament gewählte Regierung eine Aussetzung des EU-Beitritts ankündigte, kam es zu einer erneuten, anhaltenden Protestbewegung. Die derzeitge Regierung ist eher Europa-kritisch und Russland-freundlich.
Wikipeda fast zusammen: „Georgien ist eine demokratische Republik mit einem starken Präsidialsystem und zentralisierter Verwaltung. Freie und geheime Wahlen seien zwar formell gesichert, doch würden politische und bürgerliche Rechte sowie die Gewaltenkontrolle oft eingeschränkt.“

 

Meine Reise – der Plan
Wander-Studienreise Georgien 14 Tage | Auf den Spuren der Argonauten“ nennt der Veranstalter meine Reise vom 11.-27.6., 17 Tage, 16 Nächte, davon 6 Wandertage. „Die Reise beginnt in der georgischen Hauptstadt Tbilissi und führt in die Steppenwüste und entlang der Heerstraße zum Kasbek, den Berg des Prometheus. Der zweite Teil der Reise geht entlang der alten Seidenstraße in den Westen des Landes und aus der Kolchischen Tiefebene bis in die abgelegene Bergregion Swanetien und nach Uschguli, das höchstgelegene Dorf Europas.“
Die Wanderungen sind ähnlich anspruchsvoll wie bei meinen Touren in Usbekistan und Kirgistan. Es sind auch Streckenwanderungen dabei, aber ohne Zelt, ohne Jurten, ohne Pferde oder Esel, die das Gepäck tragen. Man ist abends also immer in einem Hotel oder einem Gästehaus.

Und so sieht das Programm aus:
Do 11.06.2026 1. Tag: Abflug in  Stuttgart 10:45 mit der Turkish Airlines über Istanbul – Ankunft in Tbilissi um 20:15,  Hotel in Tiflis

Fr 12.06.2026 2. Tag: Tbilissi – Tag zur freien Verfügung, H Tiflis

Sa 13.06.2026 3. Tag: Tiflis Stadtrundgang H Tifils

So 14.06.2026 4. Tag: Geheimnisvolle Steppenwüste Halbwüste Garedscha, Kloster David Garedschi
Fahrt 240 km / 4 h, Wanderung: ca. 6 km, ca. 2 Std., H Tiflis

Mo 15.06.2026 5. Tag: Entlang der Georgischen Heerstraße, Mzcheta, Großer Kaukaus
Fahrt 170 km / 3,5 h, H Stepanzminda (1740 m)

Di 16.06.2026 6. Tag: Wanderung ins Sno Tal, Tschauchi Massiv, Dariali Schlucht
Fahrt 40 km / 1,5 h, Wanderung: ca. 5-6 Std. ca. 400 hm, H Stepanzminda

Mi 17.06.2026 7. Tag: Zum Berg des Prometheus, Gergeti Kloster, Saberze Pass 2.950m
Wanderung: ca. 7 Std / ca. 10 km, Aufstieg ca. 830 hm, Abstieg: ca. 1.260, hm, H Stepanzminda

Do 18.06.2026 8. Tag: Entlang der Seidenstraße, Höhlenstadt Uplisziche
Fahrt 350 km / 4h, H Kutaissi

Fr 19.06.2026 9. Tag: Von Kutaissi ans Schwarzes Meer, Kutaissi Stadtrundgang, Hafenstadt Poti
Fahrt 185 km / 2,5-3h, Gästehaus in Anaklia

Sa 20.06.2026 10. Tag: Bergregion im Hohen Kaukasus, Enguri Staudamm, Swanetien
Fahrt 160 km / 3,5-4 h, GH Betscho

So 21.06.2026 11. Tag: Wanderung über den Baki Pass
Fahrt 40 km / 1 h, Wanderung: ca. 6-7 Std. Aufstieg ca. 1.000 hm, Abstieg ca. 800 hm, H Mestia

Mo 22.06.2026 12. Tag: Wanderung ins Bergdorf Zwirmi
Fahrt 15 km / 40 min, Wanderung: ca. 14 km, ca. 5-6 Std. ca. 700 hm, H Mestia

Di 23.06.2026 13. Tag: Goldreiches Swanetien, Matschubi, Nationalmuseum
Fahrt 45 km, 1h, GH Uschguli

Mi 24.06.2026 14. Tag: Wanderung von Uschguli zum Gwibari Berg (2900 m)
Wanderung: ca. 11 km, ca. 5 Std. 870 hm, GH Uschguli

Do 25.06.2026 15. Tag: Lost Places von Zkaltubo (Kurort)
Fahrt 150 km / 3,5 h, H Zkaltubo

Fr 26.06.2026 16. Tag: Abschied mit Wein und Gesang im Weingut
Fahrt 260 km / 3 h, H Tbilissi

Sa 27.06.2026 17. Tag: Abflug 03:10, Ankunft in Stuttgart 9:50