Nun geht es raus aus der Stadt und zum Eingewöhnen eine kleine Wanderung. Georg holt uns mit seinem recht neuen kleinen Ford Transit (so VW-Bus Größe, passend für uns fünf Touristen) ab, er spricht sogar ein bisschen Deutsch. Shalva bringt uns von einem deutschen Café Lunch-Pakete mit.

Zuerst die Staus in der Stadt, dann die ganz moderne, 6spurige Ausfallstraße mit teil ganz modernen Gebäuden und Geschäften, aber auch große, heruntergekommene Plattenbauten, die sich nur in der Farbe der Balkongeländer unterscheiden. Später die typischen Ausfallstraßen mit allerlei Geschäften, meist recht einfachen, am Straßenrand. Noch ein riesiges Areal mit ganz vielen parkenden Autos, in diesen sehr einfachen Gebäuden könne man alles kaufen, auch „original Armani aus China“.

Dann wieder Wechsel zur neuen Autobahn, sogar mit Beleuchtung. Parallel führt eine eingleisige, elektrische Bahnstrecke. Wir biegen ab und kommen durch viele Plantagen, vor allem mit kleinen Aprikosenbäumen. Später wird es hüglig, grüne Wiesen, wenig Kühe und Schafe. Die sind schon auf der Sommerweide.
„Durch die karge, aber vielfältige Steppenlandschaft“ – da bin ich wohl etwas abgehärtet, was „karg“ betrifft. Es ist ein sattes, grasbewachsenes Grün, allerdings mit wenig Farbe dazwischen. Wohl ist die Zeit der Frühjahrsblüher vorbei.

Zu Fuß erreichen wir das Höhlenkloster „Horn von Dodo“, gerade rechtzeitig bevor ein Gewitterguss mit viel Gedonner nieder geht. Hier herrscht eine strenge Kleiderordnung, bei den Frauen darf die Hose nicht unter dem Rock hervorschauen. Die Mönche leben in Höhlen, auch die Kirche ist in den Standstein eingegraben. Von Erdbeben wurden die Höhlen schon beschädigt, außen an der Kirche gibt es ein Stahlgerüst, um den Berg und damit die Kirche zu stützen. Unterwegs hatte Shalva noch Geschenke für die Mönche eingekauft: Kaffee und Schokolade, wenigstens ein bisschen Luxus in dem kargen Leben. Hier und am Kloster Garedschi, das wir dann nach 2 Stunden wandern erreichen, kommen nicht nur Touristen, die Einheimischen sind sogar in der Mehrzahl (heute ist ja Sonntag), die aus religiösen Gründen hierher kommen.

Unterwegs treffen wir mehrere Schildkröten und machen eine Rast für unsere Lunchpakete – schmecken gut, sogar ein Nachtisch-Küchle ist dabei.
Das Kloster Garedschi ist eine etwas größere Anlage, gut mit dem Auto zu erreichen. Auch hier das Meiste in Höhlen, aber mit einer Befestigung außen herum. Das Kloster wurde öfters erobert, zerstört und einmal 600 Mönche ermordet. Der schönste Teil der Anlage liegt allerdings ein Stück weiter – aber dort ist schon Aserbaidschan. Da sich die beiden Länder über den genaue Grenzverlauf streiten, darf man dort nicht hin (weiter oben am Berg ist sogar eine Kaserne mit Soldaten). Auch die UNESCO konnte hier nichts erreichen. Als wir zu Rückfahrt starten, kommt die nächste Regenfront.

Abends dann alle Fünf zusammen auf eigene Faust um Khinkali zu essen, Teigtaschen mit unterschiedlicher Füllung.