Heute steht der Takhtapass mit 2750 m, der höchste Punkt des Trekkings, auf dem Programm. Es sind zwar insgesamt nur gut 600 Höhenmeter, aber die „Zusatzwanderung“ vom Vortag sitzen mir noch ziemlich in den Knochen. Unser Karavanenführer kommt heute auch mit, er trägt unser Mittagessen, aber vor allem will er sich den Weg ansehen, ob ihn seine Esel auch bewältigen könnten. Die Esel haben heute einen Ruhetag. Zunächst gilt es Höhe zu gewinnen und dann in einem Auf und Ab zu queren. Ein schmaler Pfad mit einigen rutschigen Stellen auf kleinen Steinchen. Zwei abschüssige Schneefelder machen Sergei etwas Kummer. Das Team stapft eine Spur und mit dem Hinweis auf korrekten Einsatz der Trekkingstöcke sind die Schneeflächen zu überqueren. Bei weiteren Schneefeldern verlassen wir den Weg und umgehen sie. Wir laufen praktisch unterhalb des großen Chimgan mit tollen Sicht auf das Massiv, die Fernsicht ist allerdings recht dunstig.
Mittagessen gibt es auf dem Pass, vor uns eine große Schneewehe. Erdmännchen schauen aus ihren Löchern. Von hier Sicht auf weitere Bergketten. Drei Reiter mit einer Herde Pferde kommen vorbei. An ein paar Felsen sind wieder Felszeichnungen zu sehen, die interessanteren sind allerdings noch unter dem Schnee versteckt. Am Vortag hatte wir davon gesprochen, dass man je nach Bedingungen vom Pass noch auf einen Berg steigen könnte. Es wäre aber doch noch recht weit und viele Höhenmeter gewesen. Wegen der schon vorgeschrittenen Zeit und weil wir unsere Kräfte für doch nicht ganz einfachen Rückweg (identisch zum Herweg) sparen sollten, entschied Sergei zurück zu gehen. Mir wäre es sowieso zu viel geworden. Bei den schwierigen Stellen des Rückwegs hatte ich einen Sonderbetreuer. Der Karavanenführer lief direkt hinter mir und unterstützte mich ein paar Mal. Auch bei dieser Tour waren unsere beiden Pflanzenexperten immer wieder überrascht, was sie alles entdecken und fotografieren konnten. Der Rhabarber sollte dann auch unsere Abendessen abrunden. Es hat immer gut geschmeckt, aber heute war es besonders lecker.
Olobeck ging extra auf den kleinen Pass über unserem Lager um nachzusehen, ob es sich für uns lohnt, für einen Sonnenuntergang hochzukommen. Es hat auch geklappt, wenn er auch nicht sonderlich spektakulär war. Es gab eine kleine Diskussion, warum die Sonne nicht im Westen untergeht. Ich versuchte zu erklären, dass wir jetzt kurz vor dem längsten Tag des Jahres waren und dass der Sonnenuntergang sich mit der Jahreszeit verändert. Osten und Westen für Sonnenauf- und Untergang passt am besten bei der Tag/Nachtgleiche am Herbst- und Frühlingsanfang – das war nicht allen klar.
Als ich heute Nacht mal raus musste, bewunderte ich nochmals die eindrucksvolle Milchstraße. So 9 – halb 10 gingen wir abends meist in die Schlafsäcke, weil es einfach recht kalt wurde. Und hier „erfreute“ uns eine ganz Schar von Fröschen mit ihrem Abendkonzert. Ich wurde dann meist schon früh munter und so tippe ich um ½ 6 im Zelt auf dem Schlafsack mit zwei Pullovern den Text und sortiere die Fotos. Hochladen oder telefonieren geht hier trotz usbekischer Telefonkarte nicht, dafür sind wir zu sehr abgeschieden in den Bergen.